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Erziehungstips für Handicap-Hunde

Umgang mit tauben Hunden - 3. Die Verständigung

 Hunde untereinander "unterhalten" sich ja nicht nur über das Bellen, sondern über eine ganze Reihe von körperlichen Signalen, also Mimik und Gestik. Ein ängstlicher Hund hat die Hinterbeine eingeknickt und die Rute hängend oder sogar unter dem Bauch. Es gibt eine ganze Reihe von nonverbalen Signalen, die die Hunde untereinander tagtäglich zur Kommunikation nutzen. Warum also sollte eine nonverbale Kommunikation, z.B. über Handzeichen zwischen Mensch und Hund nicht funktionieren?

 

Wie lernt ein Hund?

Hunde lernen zum einen durch Nachahmung, zum anderen durch Verknüpfung. Erlebnisse, die der Hund positiv verknüpft (z.B. durch Leckerchen), wird er schneller lernen, als Erlebnisse, bei denen er bestraft wird. Sie werden sehr viel Erfolg mit ihrem Hund haben, wenn Sie Dinge, die er richtig macht, belohnen. Strafe hingegen  führt zu Unsicherheit und Vertrauensverlust Ihnen gegenüber. Und nun überlegen Sie sich bitte: Möchten Sie einen Freund an ihrer Seite, der gerne zu ihnen kommt, und Ihnen vertraut, oder möchten Sie nur ein Tier, was zu funktionieren hat (DANN sollten sie sich keinen Hund, sondern einen Roboter anschaffen!)?

 

Viele Köche verderben den Brei - Eindeutige Zeichen setzen!

Das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei" kann man in vielen Bereichen des Lebens erleben: Da ist z.B. der Nachbar, der gerne viel redet, aber am Ende nicht wirklich etwas zu sagen hatte.... Manchmal hilft es sich kurz zu fassen und glasklare Sätze zu formulieren, damit man auch wirklich verstanden wird. Genauso ist es beim Hund. Wenn man ihn ruft mit einem "Bello, jetzt komm doch bitte mal hier her, ich möchte dich endlich anleinen" ist das zwar sehr höflich dem Hund gegenüber, aber ich bezweifel, dass er mit dem Wort "bitte" z.B. etwas anfangen kann, mal davon ab, dass der eigentliche Befehl in dem Schwall von Wörtern völlig unter geht. "Bello, hier!" wäre also ein glasklarer Befehl. Jetzt muss Bello nur noch wissen, was er bei "hier" tun soll.

Und genauso kommunizieren wir auch mit tauben Hunden, und zwar mit eindeutigen Gesten!

 Wichtig: Sollte Hund sie nicht verstehen, prüfen Sie bitte zu erst, ob ihre Gesten wirklich eindeutig sind.

 

Bello? Taube Hunde kennen ihren Namen nicht!

Genau. Und deswegen ist es ganz wichtig, dass ihr tauber Hund lernt sich an Ihnen zu orientieren und immer wieder den Kontakt, sei es körperlich oder mit dem Blick, zu Ihnen sucht.

Gewöhnen Sie ihren Hund daran, dass sie ihn überall anfassen dürfen, und vor allem auch dann, wenn er sie noch nicht bemerkt hat. Stubsen Sie ihren Hund z.B. vorsichtig an. Wenn er sich dann umdreht und sie ansieht, geben Sie ihm ein Leckerchen (NICHT ABER, WENN ER AUS SCHRECK SCHNAPPT!). Sorgen Sie so dafür, dass sie jederzeit die Möglichkeit haben, die Aufmerksamkeit ihres Hunde, wenn er in Ihrer Reichweite ist, auf sich zu lenken, so dass er Sie ansieht. So haben Sie eine Grundlage für weiter Befehle.

Bringen Sie ihrem Hund bei sich regelmäßig nach Ihnen umzusehen.


Umgang mit tauben Hunden - 2. Vor der Anschaffung...

... sollten Sie sich als aller erstes bewusst darüber werden, warum genau DIESER Hund nun ihren Alltag bereichern soll.

 

Anschaffung aus Mitleid

 Hunde kennen kein Mitleid und Hunde bewerten ihre Taubheit auch nicht, wie wir Menschen es tun. Seien Sie sich bitte darüber bewusst! Nur, weil ein Hund nichts hört, ist es kein Grund ihn zu verhätscheln, ihn nicht zu erziehen oder ihn von Artgenossen fern zu halten, denn genau DARAUF folgen oftmals Probleme, die schwerwiegender als die Taubheit sind!

 

Rasseeigenschaften

Zu aller erst, bevor man sich einen tauben Hund ins Haus holt, sollte man sich, neben den üblichen Fragen (z.B. hat man genügend, Platz, Zeit, Geld, auch für laufende Kosten und Sonderausgaben, wie OPs, sind die anderen Familienangehörigen und der Vermieter einverstanden, Unterbringungsmöglichkeiten im Falle von Urlaub oder Krankheit, Allergien, was möchte ich mit dem Hund machen, also Hundesport, Rettungshund usw.) über die Rasseeigenschaften des auserkorenen Tieres zu informieren, da es nunmal große Unterschiede gibt:

Während der Jack Russel Terrier und oftmals sehr überdreht ist z.B. gerne jagt hat ein Australian Shepherd nunmal die Hüteveranlangung im Blut, genauso wie das Aufpassen, während ein Dalmatiner z.B. ursprünglich als Reitbegleithund gezüchtet wurde und dementsprechend viel Ausdaer hat und Bewegung braucht. Je mehr Sie über die Rasse und über deren Eigenheiten wissen, je weniger  können böse Überraschungen entstehen bzw. sie können besser auf ihr Tier eingehen, weil Sie verstehen, warum es nun eine Eigenschaft an den Tag legt.

Bitte bedenken Sie, dass über tausende von Jahren das Zuchtziel bei Hunden weniger auf Aussehen, sondern auf bestimmte Eigenschaften zielte, wodurch eine genetische Disposition, also eine erblich bedingte Veränderung der Gene, die  besondere Eigenschaften (wie z.B. der Hütetrieb) zur Folge haben, enstand. Was in den Genen liegt kann man nicht wegerziehen, man kann es höchstens versuchen mit anderen Dingen zu kompensieren (aber ob das so gut ist sei jetzt mal dahin gestellt.....).

Sollten Sie einen Mischling Marke Senf (jeder hat seinen Senf hinzu gegeben) oder Stragrami (STRaßenGRabenMIschung) besitzen, gibt es die Möglichkeit mittels Gentest zu bestimmen, welche Rassen in ihrem Hund vertreten sind.

Umgang mit tauben Hunden - Allgemeines

Immer mal wieder tauchen auf diversen Tierheim-Homepages Hunde mit dem Handycap Taubheit auf, aber auch bei Hundehändlern und sogar bei Züchtern kann es passieren, dass taube Welpen geboren und veräußert werden.

 

Wie entsteht Taubheit beim Hund?

 1. Alterstaubheit, Taubheit durch Krankheit & Vergiftung

Hunde können, wie wir Menschen auch, im Alter taub werden. Dies geschieht nicht von heute auf morgen, ist ein schleichender Prozess, unzudem kann es auch passieren, dass ein Hund nicht nur taub sondern auch stur wird. Es kann zu Situationen kommen, in denen er nicht mehr reagiert, wenn aber irgendwo eine Leckerchentüte knistert oder die Tür zum Kühlschrank aufgeht, steht Hund plötzlich neben einem.

Hunde, die im Alter taub werden, hören einige Frequenzen unvermindert gut, andere aber wiederum nur noch schlecht oder gar nicht mehr.

Taubheit kann außerdem durch Vergiftungen oder aber auch  z.B. durch Entzündungen im Gehörgang entstehen.

2. Angeborene Taubheit

Es gibt einige Hunderasse, die sehr anfällig für angeborene Taubheit sind, hierunter fallen z.B. Dalmatiner, Bobtail, Jack Russel Terrier, aber auch etliche Hütehundrassen wie Australian Cattle Dog, Australian Shepherd und Border Collie.

Eine Auflistung weiterer rassen findet sich hier:

http://www.leveste.de/dalmaweb/rassen.htm

Besonders anfällig für angeborene Taubheit sind merlefarbene Hunde, also Hunde, die weißgestromt sind, sowie alle Hunde mit hohem Weißanteil. Die Farbe "merle" ist durch eine Genmutation entstanden, werden nun zwei Merlehunde miteinander verpaart, kommt es zwangsläufig bei den Nachkommen zu Gendeffekten, die nicht nur zu Taubheit, sondern auch Blindheit führen können. Leider ist dieses Faktum noch nicht bis zu vielen Hobbyzüchtern vorgedrungen, und so kommt es immer wieder zu Würfen, in denen Welpen mit Handycap aufgrund dieser gesetzlich verbotenen Verpaarung (QUALZUCHT! §11bTSchG) geboren werden.

Die Taubheit entsteht, weil die Hautschicht, auf der die Flimmerhärchen zum Transport der Schallwellen im Oh sitzen, nicht angelegt wird.

 

Wie stellt man die Taubheit fest?

Während die Alterstaubheit ja ein schleichender Prozess ist, und sich manchmal nicht vom Altersstarrsinn unterscheiden lässt, ist auch die angeborene Taubheit manchmal nicht sofort zu erkennen. Dies beginnt schon bei Welpen: Rennt einer los, rennen alle anderen hinterher. Hier ist genaue Beobachtung gefragt. Kommt ein Welpe nun ins Haus, so kann man eigentlich recht schnell erkennen, ob er hört, oder nicht. Welpen schlafen mit 8 Wochen bis zu 20 Stunden. Ein nicht hörender Welpe bleibt einfach liegen, wenn man nicht gerade vor ihm rumspringt (Vibration), während der hörende schon in dem Alter oftmals nichts verpassen will, wach wird und neugierig nachsieht, was da denn gerade geschieht.

Schwierig wird es bei Hunden, die einseitig taub sind oder ein Restörvermögen haben. Oftmals kann man erkennen, dass etwas mit dem Gehör nicht stimmt, wenn der Hund zwar auf die Töne reagiert, aber z.B. nicht sofort orten kann, woher sie kommen. Auch kann es sein, wie anfangs schon beschrieben, dass bestimmte Frequenzen gehört werden, andere aber nicht mehr. Auch hier ist eine genaue Beobachtung des Verhaltens des Tieres nötig.

 Audiometrische Untersuchung

Um ganz sicher zu gehen, ob und in wie weit das Gehör des Hundes geschädigt ist, gibt es die Möglichkeit eine audiometrische Untersuchung vornehmen zu lassen. Hierbei werden elektische Ströme des Gehirns und der Cochlea gemessen. Diese Untersuchung ist für das Tier ohne Schmerzen, aber mit einer leichten Narkose verbunden.

Bitte fragen Sie bei ihrem Tierarzt nach, welcher Kollege oder welche Klinik über ein Testgerät verfügt und welche Kosten hierfür entstehen.